Reise mit mir in die Vergangenheit. Vor vielen Jahren erfuhren Maria und Josef, dass sie ein Kind erwarten würden. Über Nacht wurden sie mit einer Zukunft konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet waren. Hast du dir schon einmal überlegt, was geschehen wäre, wenn sie zu Gott gesagt hätten: «Stopp, so nicht mit uns. Wir sind unvorbereitet»?

Was wäre, wenn sie zuerst einen Projektplan verlangt, eine ausführliche Einweisung gefordert oder gar eine Ausbildung beantragt hätten? Wenn sie eine Zertifizierung zur Qualitätssicherung hätten durchlaufen müssen? Würden wir heute überhaupt Weihnachten feiern?

Maria und Josef sagten völlig unvorbereitet Ja zum «Projektkind» Jesus von Nazareth, dem Sohn Gottes.

Reise zurück ins Heute. Bald feiern wir Weihnachten und das neue Jahr. Bist du vorbereitet? Manchmal frage ich mich, ob wir Menschen in unserer Welt bestehen können, wenn wir unvorbereitet sind?

Ja, das ist möglich. Mehr noch: Richtig angewendet trainiert Unvorbereitetsein unser Denken und unser Gehirn. Vielleicht ist es sogar notwendiger, als wir denken. Denn in unvorbereiteten Situationen entsteht Raum für Improvisation und für Ergänzung. Wenn wir nicht alles planen oder absichern können, bleibt keine Zeit zum Kaschieren der Schwächen. Genau dort entsteht echte gegenseitige Unterstützung, wenn wir es zulassen. Bestehende Muster werden hinterfragt, neue Impulse von aussen werden notwendig.

Ja, es ist möglich, unvorbereitet zu sein, weil jede gemeisterte Situation unser inneres Stressempfinden dehnt. Mit jeder Erfahrung ohne vollständige Kontrolle wachsen unsere Stressresilienz und vielleicht sogar unsere Stressresistenz. Unser Gehirn geht neue Wege, schafft neue Verbindungen. Lernen geschieht vor allem durch Verarbeiten vom Erlebten. Vielleicht braucht es deshalb mehr Ungeplantes in unserem Leben, damit unser Gehirn und wir beweglich bleiben.

Ja, es ist möglich, unvorbereitet zu sein, weil wir anerkennen müssen: Wir werden nicht alle Ziele direkt erreichen oder vielleicht sogar verfehlen. Das geht auch nicht mit grösster Anstrengung. Vollständige Autonomie und Selbstbestimmung als Zeichen unseres Individualismus bleiben eine Idealvorstellung. Niemand gestaltet sein Leben allein. Zu viele unbekannte Faktoren säumen unseren Weg.

Und doch stellen wir uns gegen das Unvorbereitete. Das machen wir aus Angst und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Es konfrontiert uns mit der Frage, ob wir uns selbst zutrauen zu bestehen. Diese kann nicht voreilig beantwortet werden. Darum verzichte ich bewusst auf einen abschliessenden Satz als Lebensweisheit. Stattdessen nehme ich mir im kommenden Jahr Zeit, über das Unvorbereitetsein nachzudenken und zu schreiben. Jeden Monat findest du dazu eine neue Perspektive auf meinem Blog. Wenn du magst, begleite mich dabei.

Ich möchte dich ermutigen: Sag im neuen Jahr bewusst Ja zu unvorbereiteten Situationen und erkenne, dass dein Leben dadurch reicher wird.

Hätte Josef und Maria nein gesagt oder Gott ihnen diesen Auftrag nicht zugetraut, hätte er ihn vielleicht dir gegeben. Was sagst du dazu?