«Wie kann ein Mitarbeiter unvorbereitet an ein Meeting kommen? Das gibt es nicht. Als Führungsverantwortlicher kann ich das nicht verstehen.» Das sind die Worte von Pascal, einem Abteilungsleiter in der Schienenfahrzeugindustrie. Mit ihm habe ich während meiner Zeit als Maschineningenieur zusammengearbeitet.

«Unvorbereitet ist eine gute Ausrede, die nehme ich das nächste Mal in der Schule auch!» Das ist die zweite Aussage zum selben Thema. Sie stammt von meinem Sohn (15), der mir über die Schulter schaut und bemerkt, dass ich gerade Blogs zum Thema unvorbereitet schreibe.

Versetze ich mich in Pascals Position, wird klar: Als Führungskraft erwartet man Commitment, Engagement und Einsatz. Eine gute Sitzung ist von allen Beteiligten vorbereitet. Mit genau dieser Haltung sollen die Teilnehmenden erscheinen. Doch wo kommen wir vom Weg ab, wenn das nicht geschieht und jemand mehrfach offen sagt: «Ich bin unvorbereitet»? Was läuft in einem Team schief, wenn sich Einzelne nicht am gemeinsamen Ziel orientieren? Und was verraten immer gleiche Ausreden über die Haltung zur Schule?

Sowohl in der Schule als auch in der Industrie haben wir einfache Systeme entwickelt, die als Gradmesser für Beteiligung und Leistung dienen. In der Schule sind es Noten, in der Industrie SMART formulierte Ziele. Werden diese verfehlt, versuchen Begleitpersonen und Vorgesetzte, Menschen wieder auf Kurs zu bringen. Doch was ist, wenn es nicht gelingt, jeden wieder auf Kurs zu bringen?

Während du das liest, hast du vermutlich bereits ein Beispiel aus deinem eigenen Umfeld im Kopf.

Vertiefen wir den Gedanken, dass jemand bewusst oder unbewusst unvorbereitet erscheint, zeigt sich ein direkter Zusammenhang zur persönlichen Zielsetzung. Diese Person verfolgt ein anderes Ziel oder stuft das Projekt als weniger wichtig ein. Das kann vorkommen. Erscheint jemand jedoch wiederholt unvorbereitet, liegt meist ein weiterer Grund vor. Das «Unvorbereitetsein» wird dann zum Servierthema, hinter dem sich ein tieferliegendes Problem verbirgt. Wir sind aufgefordert, den eigentlichen Auslöser zu erkennen.

Wenn wir ein echtes Commitment für eine Gemeinschaft haben, sei es ein Team, eine Klasse oder eine andere Gruppe, fühlen wir uns wertgeschätzt. Aus diesem Gefühl heraus bringen wir uns mit Leidenschaft ein und sind oft bereit, mehr zu geben, als von uns erwartet wird.

Im Umkehrschluss stellt sich die Frage: Ist das «Unvorbereitetsein» ein Hinweis auf eine bröckelnde Gemeinschaft, die langsam vom Weg abkommt? Sobald Ausreden der eigenen Rechtfertigung dienen, sollte der Fokus hin zur Gemeinschaft gelenkt werden. Es ist wichtig, den Start einer solchen Situation zu erkennen. Beginnt etwas unbewusst sind es später zunehmend bewusste Handlungen, weil jemand nicht zur Gemeinschaft gehört. So entstehen noch mehr Missverständnisse, Konflikte und enttäuschte Erwartungen. Das führt zu einer zerfahrenen Situation und die beteiligten Personen bringen sich nicht mehr ein, weil sie Ablehnung spüren. Mitarbeiter sprechen bereits eine innere Kündigung aus und setzen diese dann auch um. Realisieren es Vorgesetzte, wird nach einer neuen Aufgabe gesucht, es wird gekündigt oder sogar freigestellt. Sie ist nicht mehr Teil der Gemeinschaft und das ist spürbar.

Ein verändertes Umfeld kann Erfolg ermöglichen, es garantiert ihn jedoch nicht. Wir alle wünschen uns Teams, die am gleichen Strick ziehen, in die gleiche Richtung. Erfolgreiche Gemeinschaften sind jene, in denen das Gemeinschaftsgefühl echt ist und ein aufrichtiges Füreinander gelebt wird.

Ist «Unvorbereitetsein» eine Alarmleuchte eines Teams, das vom Weg abkommt? Welche Alarmleuchten kennst du?