Noch bevor es begonnen hatte, war für einige bereits klar: Das würde nicht funktionieren.
Ich darf einen Teambildungstag gestalten und informiere die Teilnehmenden im Vorfeld. Sie erhalten die wichtigsten Informationen mit dem Hinweis, dass im Laufe des Tages einige Überraschungen auf sie warten. Das gemeinsame Ziel lautet, Hindernisse als Team zu meistern.
Müsste ich diese Hindernisse beschreiben, würden sich Kinder auf einem Spielplatz darüber freuen. Es handelt sich um ähnliche Elemente, die die Natur bietet. Doch je näher der Tag rückt, desto lauter werden die Zweifel. Ein Teil der Teilnehmenden hat bereits eine Erklärung dafür, weshalb das Ganze vermutlich nicht funktionieren wird.
Geht es uns nicht allen so? Wir haben schnell eine Erklärung zur Hand, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben. Oft bezeichnen wir solche Aussagen vorschnell als Ausreden. Dahinter verbergen sich jedoch häufig nachvollziehbare Bedürfnisse und Ängste, die uns davon abhalten, uns auf Neues einzulassen.
«Ich weiss zu wenig.»
Im beschriebenen Beispiel werden bewusst Informationen zurückgehalten, um einen Überraschungseffekt zu erzeugen. Diese Informationslücken lösen unterschiedliche Gefühle aus. Während sich einige darauf freuen und andere die Spannung geniessen, entsteht bei manchen Unsicherheit. Ihr Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit ist stärker als ihr Entdeckergeist.
«Andere können das besser.»
Hier zeigt sich der soziale Vergleich. Wir neigen dazu, uns selbst abzuwerten und erwarten von uns, Situationen souverän meistern zu können. Wenn wir beobachten, dass andere scheinbar besser vorbereitet oder talentierter sind, treten wir einen Schritt zurück und überlassen ihnen den Vortritt. Dabei vergessen wir, dass es in der Beispielsituation gerade darum geht, als Team zu wachsen. Gegenseitige Unterstützung ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.
«Das passt nicht zu mir.»
Dieser Satz sagt viel über unsere Motivation aus. Wir suchen nach einem persönlichen Gewinn, der meist nur dann entsteht, wenn die wahrgenommenen Kosten geringer sind als der mögliche Nutzen. Häufig hängt dies mit dem Schutz unserer Identität zusammen. Unser gewohntes Selbstbild (z.B. «Ich bin nicht sportlich» oder «Ich bin nicht besonders clever») möchten wir bewahren. Deshalb vermeiden wir unbekannte Situationen oft vorsorglich.
Alle drei Ebenen bilden die Grundlage für unser Sein. Sicher ist: Es braucht Mut und Vertrauen, um ins Ungewisse zu springen. Überredungskunst hat noch nie dazu geführt, dass jemand mutiger wurde. Viel wahrscheinlicher ist, dass ein erzwungenes Erlebnis negativ in Erinnerung bleibt.
Hast du mitgedacht? Wo bist du bereit, deine Ausrede zu überdenken und dich zu überwinden?
Ob mir das immer gelingt? Ich versuche es, trotz meiner eigenen Ausreden. Vor Kurzem nahm ich an einem Teamevent teil, bei dem wir gemeinsam einen Escape Room lösen mussten. Bevor es losgeht tauchte bei mir die erste Frage auf: Warum lasse ich mich freiwillig einsperren, nur um anschliessend wieder herausrätseln zu müssen?