Wie uns die Vorstellung der Zukunft im Heute prägt.

Franco weiss nicht, ob er bald schlafen kann. In Gedanken sitzt er auf dem Sofa und denkt über morgen nach. Morgen hat er eine Sitzung mit seinem Vorgesetzten. Er ist unruhig und versucht, sich abzulenken.

Salome wacht in der Nacht auf. Ihr Herz rast und sie schläft nicht mehr ein. In ihrem Gedankenkarussell ist sie bereits in der morgigen Teambesprechung und setzt sich für Fabian ein. Doch er nimmt ihren Einsatz nicht wahr.

Franziska wünscht sich, morgens weiterschlafen zu können. Sie wird früh wach. Sofort erscheint eine To-do-Liste. Sie steht auf und beginnt schon während ihrer Morgenroutine mit dem Abarbeiten der Aufgaben.

Einen Hinweis, bevor du weiterliest: Bei massiven oder anhaltenden Durchschlafstörungen ist es wichtig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schlafstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Eine ärztliche Abklärung kann helfen, die passende Unterstützung zu finden.

Was könnte diese drei Personen antreiben? Was könnten sie gemeinsam haben?

Alle drei beschäftigen sich mit etwas, das noch nicht geschehen ist. Ihnen fehlt die innere Ruhe im Heute. Ihre Gedanken sind bereits beim Morgen. Sie wollen durch gedankliche Vorbereitung Sicherheit gewinnen.

Das Problem ist, das Morgen findet noch nicht statt.

Wenn uns das Morgen im Heute mehr beunruhigt als das, was gerade geschieht, könnte Angst zum inneren Antreiber und Taktgeber werden. Wir bereiten vor, planen und kontrollieren, um Sicherheit zu gewinnen. Doch Angst führt zu Hektik, und Hektik hält uns im Gedankenkarussell.

Diese Angst begegnet mir immer wieder. Sie entsteht oft aus der Verbindung einer aktuellen Situation mit früheren Erfahrungen. Waren diese belastend, verstärken sich Angst und der Wunsch, Ähnliches künftig zu verhindern.

Ein Ausstieg aus diesem Kreislauf gelingt oft nicht allein durch weiteres Nachdenken. Wir versuchen, ein noch nicht eingetretenes Problem zu lösen, dessen Ausgang wir nicht kontrollieren können. So bleiben wir in Gedanken gefangen.

Wie gelingt es, der Zukunft hoffnungsvoll entgegenzusehen, anstatt sie angstgeprägt bewältigen zu müssen?

Wir wünschen uns eine Patentlösung, die sich mit wenig Aufwand anwenden lässt und sofort funktioniert. Hilfreich ist meist ein längerer, begleiteter Prozess. Dabei können wir Achtsamkeit entwickeln, Selbstwirksamkeit erkennen und unseren Selbstwert stärken.

Trotzdem gebe ich dir einen Gedankenanstoss: Zeichne dir einen Heissluftballon mit Korb und Sandsäcken. Die Sandsäcke darfst du beschreiben. Sie stehen für Ängste und Sorgen, die zusätzliches Gewicht haben und dich zurück auf den Boden ziehen. Benenne deine Angst und schreibe sie auf einen Sandsack. Diese Fragen können dich dabei unterstützen:

Was möchte ich mit aller Kraft verhindern? Was passiert, wenn ich es nicht verhindern kann?

So schärfst du deine Achtsamkeit. Die Angst zu benennen, ist ein erster Schritt. Danach kannst du dich fragen, ob du den Sandsack weiterhin tragen möchtest. In erster Linie geht es darum, die Angst wahrzunehmen und deinen Umgang mit ihr zu gestalten. In einem zweiten Schritt kannst du die Angst als Sandsack abwerfen.